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Warum schnelles Internet für die Wirtschaft wichtig ist

Von Nora Miethke in Sächsische Zeitung vom 23.06.2009

Dresden/Berlin. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat die Politik aufgefordert, mehr für den Ausbau schneller Internetverbindungen zu tun. Mehr als die Hälfte der deutschen Firmen hätten Probleme mit Breitbandanschlüssen, teilte der DIHK gestern in Berlin mit. Die Bundesregierung versprach Abhilfe. Die SZ analysiert das teure Vorhaben.

Wie sind Deutschland und Sachsen versorgt?

Ende vorigen Jahres gab es in Deutschland nach Angaben der Bundesnetzagentur 22,6 Millionen Breitbandanschlüsse. Damit verfügen 57 Prozent aller Haushalte oder 27 Prozent der Bevölkerung über einen schnellen Internet-Zugang. Der Breitbandatlas der Bundesregierung zeigt aber auch noch weiße Flecken: dort haben die Menschen keinen Zugriff auf die Datenautobahn – weder über DSL noch über Mobilfunk. Betroffen sind etwa fünf Millionen Bürger. In Sachsen schätzt das Wirtschaftsministerium, dass derzeit zwei bis fünf Prozent der Haushalte keine Möglichkeit haben, einen Breitbandanschluss zu erhalten.

Was genau plant die Bundesregierung?

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat versprochen, dass bis Ende 2010 alle Bürger mit leistungsfähigen Breitbandanschlüssen versorgt sind. Bis 2014 sollen zwei Drittel aller Haushalte sogar einen superschnellen Zugang mit einer Übertragungsrate von 50 Megabyte pro Sekunde erhalten.

Welche Investitionen sind nötig und wer trägt sie?

Um das zu erreichen, müssen nach einer Studie des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) etwa 20,2 Milliarden Euro investiert werden – hauptsächlich von der Industrie. BDI-Telekommunikationsexperte Michael Littger: „Die Telekommunikationsbranche verzichtet auf staatliche Mittel.“ Frank A. Rothauge, Telekom-Chefanalyst bei der Privatbank Sal. Oppenheim, glaubt allerdings, dass die Breitbandinitiative scheitert, wenn die Regierung Rivalen der Deutschen Telekom nicht mit zinsgünstigen Krediten unter die Arme greift. Nur so wäre auch die Telekom gezwungen, mit zu investieren, um ihre Kunden nicht zu verlieren.

Bringen die Investitionen Wachstum und Jobs?

Ja. Der BDI-Studie zufolge entstehen zwischen 2010 und 2014 rund 304000 Arbeitsplätze. Dabei würde die Bauwirtschaft mit 125000 zusätzlichen Jobs am meisten profitieren, gefolgt von der Telekommunikations- und Elektronikindustrie. 100000 weitere Arbeitsplätze entstünden indirekt durch neue Dienste und Innovationen, die die Breitbandnetze erst ermöglichen. Nach Ansicht von Littger sind vor allem diese Arbeitsplätze dauerhaft.

Was hindert die Industrie daran, sofort zu beginnen?

Die Telekommunikationsbranche will investieren, verlangt aber zunächst Planungs- und Rechtssicherheit. So soll sie für einige Jahre von Vorschriften zu Preissenkungen verschont bleiben. Darüber aber entscheiden die Politiker in Berlin und Brüssel. Telekom-Chef René Obermann kündigte bereits an, 100 Millionen Euro weniger als ursprünglich in den Netzaufbau zu stecken. Der Grund: Die Telekom hatte – wie auch einige ihrer Wettbewerber – einen höheren Mietpreis für das letzte Leitungsstück in die Haushalte gefordert. Die zusätzlichen Einnahmen sollten ins schnelle Internet auf dem Land fließen. Doch die Bundesnetzagentur senkte die Gebühr. Allerdings haben sich die bisherigen Breitbandausgaben der Telekom für den Konzern nicht ausgezahlt. Die Kunden sind offenbar nicht bereit, den Preisaufschlag für Bandbreiten über 16 Megabite pro Sekunde zu zahlen. BDI-Experte Littger fordert nun eine zügige Vergabe frei werdender Funkfrequenzen „spätestens bis Anfang 2010“, damit eine funkgestützte Internetversorgung auf dem Land möglich wird. Außerdem sollen die Wettbewerbsbehörden erlauben, dass Firmen zusammenarbeiten dürfen, um die Kosten zu reduzieren.

Warum ist Breitband eine Investition in die Zukunft?

Durch den Netzausbau würde laut BDI ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von rund 33 Milliarden Euro ausgelöst werden. Noch wichtiger ist, dass die Nutzung des schnellen Internets neue Geschäftsmodelle und Produkte hervorbringen wird.