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Internet für umsonst und für alle

Verein Bürgernetz und die Stadt planen ein Gratis-WLAN-Netz in Dresden

Von Heiko Weckbrodt in Dresdner Neueste Nachrichten vom 23.02.2011

Der Verein "Bürgernetz Dresden" will mit dem Rathaus und weiteren Partnern ein Stadtnetz installieren, das allen Dresdnern kostenlose Internetzugänge via WLAN-Funk bietet. Das kündigte Vereinsvorsitzender Eberhard Mittag gestern an. Das Pilotprojekt im WTC an der Freiberger Straße startet im April.

WTC Dresden
Im April soll der erste Gratis-Zugang im WTC starten, im Sommer will der Verein dann die Teilnehmer des Kirchentages mit Internetzugängen versorgen.
Foto: DNN-Archiv

Wer einen schnuckligen Minicomputer wie ein "Netbook" gekauft hat und damit das erste Mal ins Internet gehen wollte, kennt das Problem: Diese Geräte sind in puncto Netzzugang meist auf amerikanische Verhältnisse hin konstruiert. Sie haben einen WLAN-Empfänger, während hierzulande mobiles Internet meist nur über recht teure Handyfunkverbindungen möglich sind. "In den USA kommt man eben fast überall per WLAN gratis ins Internet", erklärt der Dresdner WTC-Chef Jürgen Rees. "Hier ist das leider ganz anders, Deutschland zeigt sich da wieder mal als Service-Wüste."

Doch das soll sich bald ändern: Ab April können zunächst die Besucher des WTC-Atriums mit ihren Computerhandys, Minirechnern und anderen Geräten über zwei Bürgernetz-Stationen kostenlos ins Internet gehen. "Mit dem Einzug des Technischen Rathauses erhöht sich bei uns die Passantenfrequenz, außerdem zieht im Juli die ,Dresden International University' ein. Die hat etwa 1000 Studenten, von denen viele aus dem Ausland kommen. Die erwarten kostenlose WLAN-Zugänge als selbstverständlich", erklärt Rees den Deal mit dem Bürgernetz.

Der Verein hat Erfahrung mit der Materie: 1998 als Intranet an der Freiberger Straße gegründet, hat das Bürgernetz heute über 230 WLAN-Zugangspunkte und 1600 Mitglieder in Dresden, Radebeul, Coswig, Freital und Umgebung. Dabei versteht sich der Verein nicht als kommerzieller Anbieter, sondern als "Spielwiese" für technisch Interessierte, so Technikvorstand Björn Bornemann. Doch de facto füllt das Bürgernetz Infrastrukturlücken, die großen Anbietern wie Telekom oder Vodafone als unrentabel gelten. Dabei kooperiert das Bürgernetz auch mit der Stadt, um Internetunterversorgte Viertel wie Marsdorf per WLAN zu erschließen.

Diese Kooperation will das Rathaus nun ausweiten: Wenn sich das Pilotprojekt im WTC als beherrschbar und finanzierbar erweist und ein zweiter Großversuch beim Kirchentag gelingt, soll schrittweise ein WLAN-Stadtnetz für die kostenlose Internet-Grundversorgung der Dresdner folgen. "Grundversorgung" heißt: Über die Bürgernetzantennen werden beispielsweise keine Pornoseiten oder Film-Tauschbörsen anwählbar sein, das Tempo liegt nur bei zwei bis vier Megabit je Sekunde. "Aber wer unterwegs etwas in der Wikipedia nachschlagen, die nächste Busverbindung auf der DVB-Seite erfahren oder seine E-Mails durchgucken will, kann das tun - eben alles, was mit Bildung im weitesten Sinne zu tun hat", so Mittag. Diese Ausweitung des Bürgernetzes werde aber möglicherweise eine Vereins-Ausgründung notwendig machen.

Die Stadt könne für den Aufbau der Stationen öffentliche Gebäude sowie Netze und Leitungen ihrer Tochterfirmen zur Verfügung stellen, erklärte Reinhard Holzapfel vom Büro des Wirtschaftsbürgermeisters. "Um die weißen Flecken auf der Dresdner Internetversorgungskarte zu beseitigen, haben wir natürlich auch mit den großen privaten Anbietern verhandelt. Inzwischen setzt sich aber immer mehr die Erkenntnis durch, dass wir auf mehrere Partner setzen müssen." Angestrebt werde daher nun mit dem "Bürgernetz Dresden" eine flächendeckende Versorgung mit Gratiszugängen in der Innenstadt - und möglichst auch darüber hinaus.

Mehr Infos im Internet: www.fbn-dd.de