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Über den Wasserturm im Datennetz surfen

Von Sven Görner in Sächsische Zeitung, Ausgabe Dresdner & Meißner Land vom 22.01.2005

Internet. Kostspielige und langsame Zugänge ins weltweite Datennetz sind für viele Radebeuler kein Problem mehr. Sie nutzen ein Funk-Vereinsnetz.

Seine neue Funktion sieht man dem Turm nicht an.
Seine neue Funktion sieht man dem Turm nicht an.

Ein schneller und preiswerter Zugriff aufs Internet ist für viele Privat- und Geschäftsleute inzwischen unentbehrlich. Doch was tun, wenn die am Markt operierenden Anbieter zu teuer sind oder die üblicherweise genutzte Technik das nicht zulässt?

Vor dieser Frage stand vor gut einem Jahr auch der Radebeuler Burghard Meißner. "Immer mehr Kunden unserer Druckerei nutzen das Internet für die Übermittlung von Daten. Unser ISDN-Anschluss wurde dem nicht mehr gerecht, weil er zu teuer und zu langsam war", erinnert sich der Unternehmer. Eine Alternative wäre ein schnellerer DSL-Anschluss gewesen, "bei dem ich obendrein nicht für die Zeit, sondern die übermittelte Datenmenge bezahlen müsste". Allerdings seien die Angebote zu teuer gewesen, was auch daran liegt, dass in Radebeul Telefonkabel aus Glasfaser statt aus Kupfer in der Erde liegen.

Ein Zufall half Meißner dann weiter. Über eine Radebeuler Architektin erfuhr er vom Förderverein Bürgernetz Dresden e.V., der in der Landeshauptstadt ein vereinseignes so genanntes W-Lan-Netz betreibt, mit dem sich die Mitglieder über Funk drahtlos ins Internet einklicken können. Bereits seit 2002 hatte der Verein seine Fühler in die Lößnitzstadt ausgestreckt und auf der Sternwarte Technik für die Ausweitung seines Netzes installiert. Der Nutzen hielt sich allerdings in Grenzen, weil die Lage der Sternwarte nicht optimal war.

Offene Türen

Burghard Meißner knüpfte nicht nur den Kontakt zu den Dresdnern, sondern brachte auch noch zahlreiche Interessenten mit. Außerdem holte er mit Michael Viebig, dem Betriebsleiter der Wasserversorgung und Stadtentwässerung Radebeul, einen wichtigen Partner ins Boot. "Der Wasserturm ist ein idealer Standort. Zum einen für den Datentransfer zwischen der großen Schüssel des Vereins auf der Freiberger Straße und dem Umsetzer im Innern des Turms", erklärt Meißner. "Und zum anderen hat man von vielen Stellen in Radebeul Sichtkontakt zum Turm, was eine Voraussetzung zum Nutzen des Vereinsnetzes ist."

Großer Überzeugungsarbeit bedurfte es nicht, damit Viebig dem Verein die Tür des imposanten Bauwerkes öffnete. "Mir gefiel die couragierte Art der jungen Leute, die sehr versiert und engagiert auftraten", sagt der Betriebsleiter. Offensichtlich fand Viebig die Idee so gut, dass der Verein, der inzwischen eine Radebeuler Sektion hat, den Wasserturm für ein "symbolisches Entgeld" nutzen darf. Für seinen Betrieb nimmt Viebig die Funk-Daten-Autobahn allerdings nicht in Anspruch. "Für unsere Datentransfers mit der Drewag haben wir eine eigene Kabelstrecke."

Seit Oktober läuft der reguläre Betrieb in der Lößnitzstadt. Inzwischen hat der Verein laut Meißner in Radebeul weit über 100 Mitglieder. Wer neu dazu kommen will, muss daher möglicherweise etwas Geduld mitbringen. Doch Meißner ist sicher, dass die sich lohnt. "Die Geschwindigkeit ist super, und über die Kosten braucht man nicht zu diskutieren." Bis auf einen kleinen Aussetzer beim ersten Schnee, laufe die Technik störungsfrei.

Bürgernetz Dresden

  • Wer kann mitmachen? Mitglieder des Fördervereins Bürgernetz Dresden. Der Mitgliedsbeitrag für Privatpersonen beträgt 10 Euro / Monat.
  • Was wird gebraucht? Eine W-Lan-Karte für den Computer (ca. 50 bis 250 Euro) oder eventuell eine externe Antenne. Außerdem braucht man Sichtkontakt zum Wasserturm in Radebeul.
  • Wie nimmt man Kontakt auf? Über www.fbn-dd.de.