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Telekom teilt Kunden in zwei Klassen

Von Franz Herz in Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißeritzkreis vom 26.05.2005

Breitband

Im Landkreis hat die DSL-Technik für Datenübertragung Lücken, eine große in Freital und Rabenau.

Ein rosafarbiger Faltprospekt landete dieser Tage in vielen Briefkästen im Weißeritzkreis. T-Online machte Werbung für einen DSL-Breitband-Computeranschluss, aber nur in ausgewählten Orten. Denn von der neuen Technik ist über ein Viertel der Bewohner des Weißeritzkreises abgeschnitten.

Dabei gibt es Reichweitenopfer, die zu weit von der nächsten Vermittlungsstelle entfernt wohnen. Ab 4,5 Kilometer wird das DSL-Signal zu schwach. Kai Bräuniger gehört dazu. Der 38-jährige Reinhardtsgrimmaer macht eine Umschulung zum Fachinformatiker. "Ein schneller Internetanschluss wäre für mich beruflich sehr wichtig. Wenn ich für meine Ausbildung etwas recherchieren muss, dauert das jetzt ewig", berichtet er.

Reihardtsgrimma hat Pech. Das Gemeindegebiet gehört zu drei verschiedenen Ortsnetzen: Dippoldiswalde, Glashütte sowie Kreischa - und liegt oft zu weit weg von der Vermittlungsstelle, so dass übers Kabel nur noch ein schwaches DSL-Signal oder gar keines mehr ankommt. Wer kein Telekom-Insiderwissen besitzt, kann nicht nachvollziehen, wo und wo nicht. Es gibt Unterschiede von Haus zu Haus, wie in Frauendorf, recherchierte der Computerspezialist Uwe Braun aus Reinhardtsgrimma.

Bräuniger hat nun eine Aktion gestartet, um Interessenten für einen Breitband-Anschluss zu sammeln. Er hofft, genug zu finden und damit die Telekom zu überzeugen, dass sie in einen besseren Anschluss für Reinhardtsgrimma investiert. Auch der Bürgermeister hat sich in der Sache an die Telekom gewandt. Die aber spielt den Ball auch zurück an die Gemeinden. Sie hat schon Vereinbarungen geschlossen, dass Kommunen einen Teil der Investitionskosten tragen. Doch an Grimme ist sie damit nocht nicht herangetreten, sagt Bürgermeister Markus Dreßler (CDU).

Die Reichweitenopfer leben fern der Vermittlungsstellen, meist in kleineren Orten, aber auch in Teilen von Bannewitz. Doch es geht vielen Städten nicht besser. Wer Anfang der 1990er Jahre einen hochmodernen Telefonanschluss bekam, ist jetzt Opfer der Glasfaser. Diese kann kein DSL übertragen. Sie liegt aber in rund 60 Prozent des Freitaler Stadtgebiets, in Rabenau und Hermsdorf/E. Teilweise zieht die Telekom parallel zum Glasnetz Kupferkabel, die DSL ermöglichen, berichtet Telekomsprecher Jürgen Will in Berlin. Das lohnt sich aber nur in Städten, wo viele Anschlüsse zu erwarten sind. "Für uns ist es immer eine Frage der Wirtschaftlichkeit, wo wir ausbauen", sagt er. Sonst bleibt nur, DSL in Freital über das Bürgernetz per Funk oder in abgespeckter Form von der Telekom über Satellit zu erhalten.

Das Bürgernetz (s. Kasten) ist ein Verein zur Computerbildung, der auch die Möglichkeit bietet, sich mit seinem Rechner in ein Funknetz einzuhängen und darüber ins Internet zu gehen. Viele Mitglieder nutzen speziell dieses Angebot.

Ein Breitbandzugang ist keine Spielerei für Computerverrückte. Zulieferfirmen können damit z.B. mit ihren Abnehmern ständig in Kontakt bleiben, wofür sie sonst teure Standleitungen mieten müssten. Kai Bräuniger kennt Leute, die gezielt eine Wohnung mit DSL-Zugang suchten.

Kontakt: Kai Bräuniger 0175/8316380

Die ADSL-Technik

  • Asymmetric Digital Subscriber Line (ADSL) heißt die in Deutschland zurzeit übliche Technik für Breitband-Datenanschlüsse.
  • TDSL nennt die Telekom ihr DSL-Angebot, das aber ADSL-Technik ist.
  • Kein DSL ist über Glasfaser möglich, wie in Teilen Freitals, in Rabenau und Hermsdorf/E. Weiter als 4,5 Kilometer entfernt von der Vermittlungsstelle wie in Teilen von Bannewitz und anderen Orten geht's auch nicht.

Sektion Freital des Fördervereins Bürgernetz

  • Das Bürgernetz ist ein ehrenamtlich organisierter Verein mit dem Ziel, Kenntnisse über Kommunikatiosmedien zu vermitteln durch Veranstaltungen, Themenabende, Workshops und Kurse. Er bietet die Möglichkeit der Nutzung des WLAN-Vereinsnetzes für Mitglieder. Das ist eine Art DSL-Anschluss über Funk.
  • In Freital sind sechs Hotspots aktiv: Weißig, Poisental, Burgk, Oberburgk, Berglehne und Sauberg. Wer Funkkontakt zu diesen Antennen hat, kann sich an das Vereinsnetz anschließen.
  • 60 Nutzer sind derzeit aktiv.
  • In Richtung Rabenau will der Verein seine Aktivitäten erweitern. Dort besteht auch keine Möglichkeit, DSL-Anschluss über Kabel zu bekommen.
  • Winfried Droll ist der Vorsitzende der Sektion Freital des Förderverein Bürgernetz Dresden. Eine weitere Sektion besteht in Radebeul.
  • Kontakt: www.fbn-ftl.de

Auf ein Wort

Franz Herz
Franz Herz

Ein Mangel

Die Breitband-Technik ist weit über Unternehmen und Computerliebhaber hinaus von Bedeutung. Diese Technik wird sich ähnlich rasant entwickeln wie andere auch. Vor 20 Jahren war es fast normal, dass eine Wohnung kein Telefon hatte. Heute wäre sie unvermietbar.

Auch die Internetseiten werden sich mehr und mehr an die schnelle Technik anpassen. Wer die nicht hat, muss dann eben lange warten, bis er etwas sieht, oder er kann bestimmte Angebote nicht nutzen. Der Anschluss ans Breitbandnetz wird in wenigen Jahren ganz normal sein. Wenn er irgendwo fehlt, ist es ein Mangel.

Dieser ist im Weißeritzkreis überdurchschnittlich groß. Über 25 Prozent der Einwohner haben hier gar kein DSL-Kabel, gegenüber neun Prozent im Bundesdurchschnitt laut Telekom. Das werden Vermieter spüren, das wird Kommunen treffen.

herz.franz@dd-v.de