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Telekom: Kein DSL-Ausbau in Freital

Von Matthias Weigel in Sächsische Zeitung vom 04.02.2010

Die Deutsche Telekom wird das DSL-Netz in Freital vorerst nicht weiter ausbauen. Das ist das Ergebnis einer SZ-Anfrage an das Unternehmen. Die Telekom macht Erweiterungen davon abhängig, ob sich Kommunen – zumeist finanziell – am Ausbau beteiligen. Mit Freital gebe es keinen solchen Kooperationsvertrag, erklärt Telekom-Sprecher Georg von Wagner.

Neue Kabel – aber ohne DSL

Das treibt eigentümliche Blüten: Vergangenes Jahr war wochenlang die Straße zwischen Wurgwitz und Pesterwitz dicht. Schachtarbeiten der Telekom, hieß es. Für eine DSL-Anbindung? – Fehlanzeige! Noch kurioser: Die Burgwartstraße, die in den vergangenen drei Jahren millionenschwer ausgebaut wurde: Hier hat sich die Telekom an den Bauarbeiten beteiligt und Kabel in die Erde verlegt – jedoch nur, um die Masten mit der Telefonleitung verschwinden zu lassen. Die Chance zum DSL-Ausbau – vertan. An anderen Stellen ließ die Stadt vorsorglich Leer-Rohre verlegen, in die sich Firmen dann einmieten können.

Nachteil für Unternehmer

Dabei sind Anlieger und Gewerbetreibende genervt vom lahmen Netz. „Das ist ein echter Standortnachteil“, hatte sich Gert Hilker immer wieder beschwert. Der Motorradhändler erwägte sogar kurzzeitig einen Weggang. „Sie können als Unternehmer heute kaum auf DSL verzichten“, sagt Hilker. Telekom-Sprecher Wagner kontert, dass es für Geschäftskunden gesonderte Angebote gibt, „die unabhängig von der DSLVersorgung zur Verfügung gestellt werden können.“

Telekom: Ausbau ist Gut

Insgesamt bezeichnet die Telekom den Ausbau in Freital als gut. „Es werden von uns im Ortsnetz mehr als 70 Prozent der Anschlüsse mit DSL versorgt“, sagt Wagner. Eingerechnet sind allerdings auch Anschlüsse, die lediglich „DSL light“ mit 384 Kilobit je Sekunde bieten. Um multimediale Inhalte flüssig nutzen zu können, sind heute Anschlüsse von 2000 und mehr üblich. „Die Telekom kann bei einem Marktanteil von rund 50 Prozent nicht alleine 100 Prozent des Netzes ausbauen“, sagt Wagner.

Kabelanbieter investiert

Die Firma Tele-Columbus will hingegen aufrüsten. Genehmigungen und Witterung verzögern die Arbeiten jedoch bislang. Geplant ist, bis Ende des Jahres mehr als 10000 Haushalte in Freital und Bannewitz mit schnellem Internet zu versorgen. Dafür will die Firma nach SZ-Informationen vier Millionen Euro investieren. Inwieweit das Netz jedoch auch erweitert wird, ist unklar. Gegen den Protest einer Bürgerinitiative übernahm der Kabelnetzbetreiber auch die Kunden der Antennengemeinschaft Deuben.

Stadt schaltet sich ein

Die Stadt Freital wollte sich ebenfalls für den DSL-Ausbau einsetzen – und verhindern, dass sich Anbieter nur die Rosinen rauspicken. Zuletzt im Gespräch war eine Bedarfsanalyse, eine Karte zur Versorgungslage im Stadtgebiet sowie der Abgleich von Straßenbaumaßnahmen mit den Anbietern – als Anreize für den punktuellen Netzausbau. Die Rathausspitze warnt aber vor zu hohen Erwartungen. Die Stadt wolle etwas tun – aber nicht zu jedem Preis. Die Telekom, so Stadtsprecherin Inge Nestler, sei zwar zu Gesprächen im Rathaus gewesen, habe aber keine konkreten Aussagen zu Kosten oder Vertragsklauseln machen können.

Es gibt Alternativen

Alternativen gibt es freilich – fraglich sind dabei nur Verfügbarkeit, Preis und wie praktikabel sie sind. Verfügbar sind im Stadtgebiet die mobile Internettechnologie UMTS, „Web over air“, ein lokales Projekt von Kadsoft Computer sowie das ebenfalls drahtlose Bürgernetz. Auch die Telekom prüft Mobilfunk- oder Richtfunklösungen, um den Bürgern über alternative Technologien schnelle Internetanbindungen bieten zu können.