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Rathaus lässt Drahtlos-Surfer warten

Von Andreas Rentsch in Sächsische Zeitung vom 13.10.2009

Wer in der Stadt über Funk ins Internet will, findet nur vergleichsweise wenige W-Lan-Hotspots. Ein Verein will das ändern, fand bisher aber keine Unterstützung.

Anja Gründig surfte gestern mit ihrem Laptop per Hotspot in der Jugendherberge auf der Maternistraße
Anja Gründig surfte gestern mit ihrem Laptop per Hotspot in der Jugendherberge auf der Maternistraße. Genau wie für Martin Tyszko (im Hintergrund) ist es dort längst Normalität. Foto: Karl-Ludwig Oberthür

Die Haupt- und Musikbibliothek im Dresdner World Trade Center (WTC) geht mit der Zeit. Ab sofort können deren Lesesaal-Nutzer drahtlos im Internet surfen, wenn ihr Notebook über die notwendige Funktechnologie verfügt. „Der Zugang im Lesesaal kann täglich zwei Stunden genutzt werden“, sagt Bibliotheks-Chefin Petra Richter.

T-Mobile als Platzhirsch

Derart bequem arbeiten lässt sich mittlerweile an vielen Stellen in der Stadt: Cafés, Restaurants, Hotels, Wartebereiche am Flughafen oder Hauptbahnhof. Insgesamt listet das Branchenportal Portel 80 sogenannter Hotspots – „heiße Punkte“ – auf. Im Vergleich zu anderen Großstädten hinkt Dresden mit diesem Netz von Zugriffspunkten freilich weit hinterher. Für Düsseldorf listet Portel 206 überwiegend kostenpflichtige Hotspots auf. Hamburg kommt auf 404, München auf 585. Selbst Leipzig liegt mit 95 Datenbank-Einträgen vor der innersächsischen Konkurrenz.

Große Zuwächse seien derzeit nirgendwo zu verzeichnen, erklärt Portel-Geschäftsführer Georg Stanossek. „Offenbar gibt es nicht mehr so viele rentable Standorte.“ Das gilt seinen Beobachtungen zufolge auch für den größten Anbieter, die Telekom-Tochter T-Mobile. Deren Netz umfasst mehr als 8000 Hotspots bundesweit. In Dresden bringt das Unternehmen unter anderem die Besucher von McDonald‘s-Filialen ins mobile Internet.

Ginge es nach dem Förderverein Bürgernetz Dresden (FBN), müsste niemand mehr nach einem Hotspot suchen. „Wir haben der Stadt angeboten, unser Netz von Zugangspunkten im Bereich des 26er Rings kostenlos verfügbar zu machen“, sagt deren Chef Eberhard Mittag. So könnten Touristen ohne größere Umstände täglich eine Stunde surfen um zumindest E-Mails abrufen oder auf relevante Informationen über die Stadt zugreifen zu können.

Die Vision einer „Mobil City“ stieß zunächst auf keine erkennbare Gegenliebe. Ein Schreiben, das der FBN-Vorsitzende im Januar an Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) schickte, blieb unbeantwortet. Auf SZ-Nachfrage teilte Rathaussprecher Karl Schuricht gestern mit, ab sofort werde sich Orosz’ Vertreter, Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) um das Thema kümmern. Ansonsten begrüße man die Initiative des Bürgernetz-Vereins selbstverständlich.

Kein Surfen nach Belieben

Zum Surfen nach Lust und Laune sollen die FBN-Hotspots übrigens nicht missbraucht werden, sagt Vereinsmitglied Daniel Gnauck. Das habe nicht zuletzt rechtliche Gründe. Womöglich wäre aber auch die Hotellerie nicht von einer solchen Lösung begeistert. Schließlich entzöge es mancher Herberge, die für die W-Lan-Nutzung Geld nimmt, eine Einnahmequelle.

Einer der nächsten größeren Hotspots in Dresden könnte übrigens das (gesamte) WTC sein. Wie dessen Chef Jürgen Reef bestätigt, soll das drahtlose Internet ab dem Frühjahr 2010 im Haus verfügbar sein.