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Radebeuler warten noch immer auf DSL

Von Henry Berndt in Sächsische Zeitung, Ausgabe Dresdner & Meißner Land vom 10.02.2009

Vorerst verlegt die Telekom in Radebeul und Coswig keine neuen Leitungen für schnelles Internet.

Es klang zu schön, um wahr zu sein. Bis 2009 werde für alle Haushalte in Radebeul und Coswig der schnelle DSL-Zugang ins Internet zur Verfügung stehen. Mit der Freischaltung der letzten 3 000 Anschlüsse werde dann in Radebeul die flächendeckende Vollversorgung erreicht. So verkündete es die damalige Telekomsprecherin Diana Saupe vor einem Jahr in der SZ.

Vollversorgung nie angestrebt

Das klingt nun anders. "Eine Vollversorgung haben wir nie angestrebt", sagt Jürgen Will, der neue Sprecher für die Region. Ziel sei es stets gewesen, so viele Anschlüsse wie möglich zu realisieren. Deutschlandweit seien inzwischen rund 96 Prozent aller Haushalte mit DSL versorgt. Die letzten vier Prozent seien jedoch unverhältnismäßig teuer, da die Haushalte meist abgelegen oder schlecht zu erreichen sind.

Wie die Telekom bestätigt, werden nun in Radebeul und Coswig vorerst keine neue Leitungen mehr verlegt. Während in Coswig inzwischen in den meisten Haushalten schnell gesurft werden kann, klaffen in Radebeul noch immer große Lücken im DSL-Netz.

Dennoch ist die Lage nicht hoffnungslos für Menschen wie Matthias Haney. "Hier lebt man wie hinter dem Mond", sagt der Zitzschewiger. Seit über zehn Jahren wartet er nun schon auf schnelles Internet. Noch immer kann sich der Projektleiter in einem der größten Elektro-Betriebe in Dresden keine Arbeit mit nach Hause nehmen. Schließlich dauere es immer noch Minuten, bis sich eine Internetseite aufgebaut habe. "Viele fühlen sich deshalb hier wie Bürger zweiter Klasse", sagt er.

Auch viele kleine Radebeuler Firmen leiden noch immer unter dem langsamen Netz. "Ich muss häufig große Bilder aufrufen und verzweifle manchmal", sagt etwa Steinsetzer Benno Schmidt aus Zitzschewig. "Ersatzweise habe ich mir ein kabelloses Netzwerk eingerichtet, aber das setzt häufig aus und ist mit zusätzlichen Kosten verbunden." Derweil liefen auch die neuesten Recherchen seines Leidensgenossen Matthias Haney bei der Telekom ins Leere. Für den März ließ er sich sogar einen Termin bei Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) geben.

Eine SZ-Nachfrage beim Konzern brachte dann jedoch die frohe Kunde: Bis Mitte des Jahres werden Haney und Schmidt DSL erhalten. Auch zahlreiche andere Haushalte könnten bis dahin noch freigeschaltet werden. Allerdings dürfe die Zusage nicht auf ganz Zitzschewig und schon gar nicht auf ganz Radebeul verallgemeinert werden.

Keine Beteiligung der Stadt

T-DSL Splitter

Vielmehr müsse die Verfügbarkeit in jedem Einzelfall geprüft werden, heißt es. Problematisch wird es laut Telekom für alle Haushalte, die mehr als fünf Kilometer von einem der grauen Kabelkästen der Telekom entfernt sind. Um das Netz weiter zu vervollständigen, sagt Telekomsprecher Georg von Wagner, muss die Stadt auf den Konzern zukommen. "Ein Kilometer Kabel kostet zwischen 25 000 und 100 000 Euro", sagt er. "Die wird die Telekom nicht allein investieren." Möglich sei eine Kostenteilung mit der Kommune. "Oder die Stadt schließt bereits Vorverträge mit den Bürgern ab", so von Wagner.

Die prompte Antwort aus dem Radebeuler Rathaus könnte klarer nicht sein: "Eine städtische Beteiligung fällt aus", sagt Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos). Schließlich sei die Telekom ein privates Unternehmen. "Das werden wir aber klären", verspricht er.

Alternativen für schnelles Internet

  • 45 Anbieter von DSL gibt es laut Breitbandatlas in Radebeul, 38 in Coswig. Die meisten sind jedoch auf die Leitungen der Telekom angewiesen. www.breitbandatlas.de
  • Das Bürgernetz Dresden, ein Förderverein, bietet für einen Monatsbeitrag von zehn Euro schnelles Internet über Funk. Von sogenannten Accesspoints, die auch auf dem Radebeuler Wasserturm und der Lutherkirche platziert sind, wird das Signal ausgestrahlt. Es kann unbegrenzt gesurft werden, allerdings dürfen nicht mehr als sechs Gigabyte pro Woche heruntergeladen werden. www.fbn-dd.de
  • Das "Wirsnet" der Radebeuler Firma Kommunikationstechnik Michael Wirsig verlegt seine eigenen Kabel und bietet mit 16000 Kilobyte pro Sekunde absolute Höchstgeschwindigkeit. Bislang verkabelte Wirsig in Radebeul-West und Friedewald rund 600 Haushalte. www.wirsnet.de

Auf ein Wort

Peter Redlich
Peter Redlich

Peter Redlich über die fehlenden schnellen Internetzugänge

Zu kurze Leitung

Da kann man sie hernehmen wie man will, die großen von Telekom über Bahn bis zur Post. Was nicht möglichst schnell Gewinn abwirft, wird ab- oder gar nicht erst angeschafft. Bei der Post die Briefkästen, bei der Bahn die kleinen Strecken und bei der Telekom die einst vollmundig versprochene Leitung für das schnelle Internet.

Dabei sind die Bürger in Sachen Internet in Gegenden wie Radebeul und Coswig noch gut dran, wenn es zumindest über W-Lan noch ein einigermaßen flinkes Netz in der Nähe gibt. Weiter weg sieht es dann allerdings schon dünner aus. Angeschmiert sind allerdings fast immer all jene, die große Datenmengen zu verträglichen Kosten verschicken müssen. Solche können dann nur darauf hoffen, dass kleine Anbieter in diesem Telekom-Manko ihre Chance sehen und mit ihrer Leitung helfen.