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Internetarier aller Länder - vereinigt Euch!

Von Christian Mathea in Ad Rem vom 27.10.2004

WLAN-Zweckentfremdung: Freifunker erobern Dächer und das Weltnetz

Die ursprüngliche Idee hinter "Wireless LAN" (WLAN) war, mit einer Vernetzung per Funk die Büros vom Kabelsalat zu befreien. Doch - wie das bei einer Innovationen meistens so ist - kamen bald ein paar kreative Köpfe auf die Idee, die neue Technologie für andere Zwecke zu nutzen.

Sie bastelten eigene Antennen, montierten diese auf Dächer und teilten einen Internetanschluß mit ihren Nachbarn. Daraus entwickelte sich eine Bewegung, die in Deutschland unter "Freifunk" bekannt geworden ist. Laut "Freifunk" sollen die Bürger am Ausbau des Internets per Funk selbst teilhaben und damit kommerziellen Anbietern zuvorkommen.

Kabellose Weltweite

Denn Internet mittels drahtloser Übertragungstechnik ist die Zukunft, in Ballungsgebieten wird nach Einschätzung von Rainer Wasserfuhr bald kein Kabel für einen normalen Internetzugang mehr nötig sein. Er betreibt eine Internetseite, auf der freie Netzzugänge eingetragen sind. Im Umfeld dieser sogenannten "HotSpots" bekommt jeder, der im Besitz einer WLAN-Karte ist, eine Verbindung ins weltweite Netz. In Dresden gibt es mittlerweile 29 dieser Stationen. Damit liegt die Stadt deutschlandweit hinter Berlin an zweiter Stelle, wo insgesamt 150 "HotSpots" zu finden sind.

Bei "Freifunk" mitzumachen, ist ziemlich einfach: Man benötigt neben einem schnellen Internetzugang sowie Router samt Antenne vor allem die Überzeugung, seinen Netzzugang mit anderen Leuten teilen zu wollen. Hier stellt sich dann die Frage: Was passiert, wenn einer dieser teils anonymen Mitnutzer mit meinem Zugang Schabernack treibt? Dazu Jürgen Neumann, der die Initiative rechtlich und politisch betreut: "Dienstanbieter sind für fremde Informationen (...) nicht verantwortlich, sofern sie die Übermittlung nicht selbst veranlaßt haben." Danach wäre man als Anbieter aus dem Schneider.

Auf der anderen Seite schreibt die Computerfachzeitschrift "c't", daß die Fahnder natürlich nur die IP-Adresse des WLAN-Routers sehen würden, somit wäre es "bei möglichen zivilrechtlichen Klagen für das Opfer schwierig, seine Unschuld zu beweisen." Eine eindeutige Aussage zu dem Problem der Verantwortung kann an dieser Stelle nicht gegeben werden.

Nicht ganz so frei wie bei "Freifunk" wird beim "Bürgerverein „Bürgernetz Dresden e.V." gefunkt. Seit mittlerweile fünf Jahren bietet der Verein in der Landeshauptstadt Internetzugänge per WLAN an. Dabei stehen Stadtteile im Vordergrund, in denen die Telekom keine schnellen Internetverbindungen anbietet. Das Gelände beim Elbepark ist so ein Beispiel. Hier wurden ultramoderne Glasfaserkabel verlegt, mit denen aber die derzeit genutzte DSL-Technik nicht funktioniert. Die Rettung kam aus der Luft. Mit einer Richtfunkverbindung von einem "Backbone" im World-Trade-Center versorgt der Verein das Gebiet mit schnellem Internet. Bevor man vor Ort in den Genuß der schnellen Verbindung kommt, muß man eine Mitgliedschaft beantragen. Der Beitrag liegt monatlich bei 10 Euro, zuzüglich einer Anschlußgebühr zwischen 45 und 90 Euro.

Computerchaos mit Brückenbau

An einer ganz neuen Übertragungstechnik werkelt derzeit der Chaos Computer Club Dresden (C3D2). Neben der "Antenne-aufs-Dach-Version" gibt es nämlich noch das Meshing-Konzept. Dabei wird jeder einzelne Rechner mit WLAN-Karte zum "Router" und leitet zusätzlich zur eigenen Nutzung weitere Internetdaten wie eine Art Brücke zum Nachbarn weiter. Gibt es in einer Region genügend Nutzer, entsteht ein Netzwerk, in welchem überall Signal anliegt. Dafür muß es alle 50 bis 75 Meter eine Station geben.

Weitere Informationen zu diesem Übertragungskonzept gibt es am 30. Oktober beim Linux-Tag an der TU Dresden (30.10., Trefftz-Bau). Der Chaos Computer Club ist mit einem Stand vor Ort.

Chaos Computer Club Dresden: www.c3d2.de; mail@c3d2.de
Bürgernetz: www.fbn-dd.de; kontakt@fbn-dd.de; 0351/4903700

Kauderwelsch

WLAN: "Wireless Local Area Network" - Technologie zur Übertragung von Internetdaten per Funk.

Antennen: Oft selbst gebastelt. Dafür reicht schon eine einfache Alubüchse mit korrekt angebrachtem Anschluß. Die Sendeleistung von 100 mW darf nicht überschritten werden. Damit können Signale über 100 Meter, bei Richtfunk über 500 bis 1000 Meter übertragen werden. Mittlerweile gibt es aber auch entsprechende Angebote im Fachgeschäft.

Freifunk: Nicht kommerzielle, für jeden offene Initiative zur Förderung freier (Funk-)Netze: www.freifunk.net

"Hot-Spot": Sende-Empfangs-Stationen für Funknetzwerke - Abdeckung im Umkreis von 50 bis 100 Meter. Eine Übersicht über die Standorte in Dresden und anderswo findet man auf der Website nodedb.com/europe/de/dresden

DSL: "Digital Subscriber Line" - schneller Internetzugang per Telefonkabel, T-DSL ist mittlerweile bis 3 MBit verfügbar.

"Backbone": Zu deutsch: Rückgrat - Kabelanschluß an eine Hochgeschwindigkeitsleitung, von hieraus startet das Funknetz.

WLAN-Karten: Sie haben meist nur zwischen 20 bis 30 mW Sendeleistung, das Gehäuse schirmt zusätzlich ab. Karten gibt es ab 30 Euro, die Router-Software gratis.