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Hauptsache, Weinböhla erhält schnelles Internet

Von Robert Kaak in Dresdner Neueste Nachrichten vom 29.08.2007

Dresdner Bürgernetz erwägt, Datenfunk per WLAN anzubieten

Weinböhla. Ob privat oder für Firmen: Heute sind schnelle Internetverbindungen oft unverzichtbar. Doch Weinböhla war lange Zeit ein weißer Fleck auf der Versorgungslandkarte, obwohl über 600 Klein-Gewerbler im Ort ansässig sind. Nicht zuletzt auf deren Drängen versprach Bürgermeister Reinhard Franke (CDU) im Januar einmal mehr, "Druck zu machen". Nun ist ein kommerzieller Anbieter aus Riesa dabei, die Lücke zu füllen. Per Funk. Auch der gemeinnützige Förderverein Bürgernetz Dresden sagt, er könnte Weinböhla mit schnellem Internet per Funk versorgen. Voraussetzung: Die Weinböhlaer treten selbst an den Verein heran.

"Acht bis zehn Weinböhlaer sollten sich schon finden", sagt Eberhard Mittag, Vorsitzender des Dresdner Vereins. Erst dann rechne sich die Investition. Denn die Einrichtung der Funkstrecke nach Weinböhla muss der etwa 1200 Mitglieder zählende Verein selbst tragen. Immerhin 4000 bis 5000 Euro kostet dies laut Mittag. Vorher müsse geklärt werden, ob es eine Sichtverbindung nach Coswig gibt - dort steht der nächste "Funkverteiler" des Vereins. Anschließend muss auf ein Weinböhlaer Dach eine Antenne, die das Funksignal von Coswig auffängt und weiterverteilt. Dafür braucht der Verein in Weinböhla ein möglichst hohes Haus. "Andere Gemeinden nutzen die Kirche, das Rathaus oder den Feuerwehrturm", erzählt Vereinsvorsitzender Mittag.

Bürgernetz-Vorsitzender Eberhard Mittag: Andere Gemeinden nutzen die Kirche, das Rathaus oder den Feuerwehrturm.

"Prinzipiell würde ich die Arbeit dieses Vereins unterstützen", sagt Bürgermeister Franke. Priorität habe aber, dass überhaupt schnelles Internet nach Weinböhla komme. Daher fördere der Bürgermeister jegliche Ambitionen. Ob eine Antenne aufs Rathaus kann, müsste geprüft werden, immerhin sei es ein historisches Gebäude. Ob die Kirche ihr Okay gibt, ist derzeit unklar, da der Pfarrer Urlaub hat. Bleibt der Feuerwehrturm. Grundsätzlich wäre dies möglich, sagt Franke, "zumal dort schon Antennen stehen". Auch der Riesaer Anbieter interessiere sich für den Feuerwehrturm, berichtet Franke.

Wer das Netz des Dresdner Vereins nutzen will, muss Mitglied werden. Für zehn Euro ist man als Privater dabei, 15 Euro für Gewerbe, bei mehreren Rechnern ist der Preis Verhandlungssache. Die Funkverbindung ist übrigens nicht langsamer als das herkömmliche DSL. Doch im Unterschied zum kommerziellen Anbieter - der mit seiner geringsten Surfgeschwindigkeit mindestens knapp 20 Euro kostet - müssen sich die Vereinsmitglieder um viele Sachen selbst kümmern. "Wir stellen die Antennen zur Verfügung und haben auch Techniker, die beraten", so Mittag. "Doch installieren müssen es die Mitglieder vor Ort selbst." Auch wenn ein Sturm die ein oder andere Antenne beschädigt, können Ausfälle nicht ausgeschlossen werden. Immerhin betreut der Verein über 100 Antennen im Elbtal. "Wir sind immer auf das Engagement unserer Mitglieder angewiesen."

„Ich würde eine Funkverbindung gern nutzen", sagt Jan Böttger. Der Weinböhlaer muss große Datenmengen zum Server seiner Firma per Internet schicken, dafür sei ISDN zu langsam. "Hauptsache, es ist stabil", sagt er. Derzeit nutzt Böttger für 30 Euro eine Verbindung über den Mobilfunkstandard UMTS. Auch für Thomas Glöckler ist das Angebot des Vereins attraktiv, obgleich Funk aus Datenschutzgründen für ihn nur eine Notlösung sei. "Ich habe eine Werbeagentur und muss größere Datenmengen verschicken." Schnelles Internet sei dabei unerlässlich. Majo Karthe sieht kein Hindernis für eine Mitgliedschaft im Verein. "Für zehn Euro kommt dieser Internetzugang für mich auf jeden Fall in Frage", so der Weinböhlaer, der das schnelle Netz gern privat nutzen würde.

Sprechstunde des Fördervereins montags 17 bis 19 Uhr in Radebeul, Kötitzer Straße 6, Internet: www.fbn-dd.de; Weinböhlaer Initiative für schnelles Internet: www.briefschmiede.de; kommerzieller Anbieter: www.man-citynet.de