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Ein Netz, viele Wege

Von Domokos Szabó in Sächsische Zeitung, Ausgabe Freital vom 04.12.2006

Internet. Mit der DSL-Versorgung hapert es in Freital. Es gibt jedoch zahlreiche Alternativen.

UMTS-Mast auf dem Raschelberg
Dieser UMTS-Mast auf dem Raschelberg wird von Vodafone betrieben. Wo es kein schnelles Internet über DSL gibt, kann UMTS als Ersatz dienen.

Die Freitaler werden auf der Datenautobahn ausgebremst - dieser Meinung ist jedenfalls Gert Petzold, Inhaber einer Freitaler Kabelfernsehen-Firma. Wer heute, immerhin zu Beginn des 21. Jahrhunderts, im Plauenschen Grund einen schnellen Internetzugang haben möchte, müsse oft auf Ersatzlösungen zurückgreifen. Die Ursache liegt darin, dass der DSL-Netzausbau nicht schnell genug vorangeht.

DSL

Wie gut der ehemalige Monopolist Telekom das Stadtgebiet abdeckt, ist schwer abzuschätzen. In der Pressestelle des Konzerns wird immer wieder auf die notwendige Einzelfallprüfung im Internet verwiessen. Unter www.t-com.de kann jeder seine Festnetznummer eingeben und sehen, ob T-DSL anliegt. Einem unabhängigen Experten zufolge funktioniert T-DSL in Deuben und in Teilen von Zauckerode gut. Weiße Flecken gebe es in Potschappel, Hainsberg und Burgk. Dort wo es hapert, bietet die Telekom DSL via Satellit an. Von Nachteil ist allerdings, dass eine zusätzliche Grundgebühr fällig wird. Außerdem braucht der Kunde eine ISDN-Leitung, um selbst Daten ins Internet übertragen zu können.

Die Telekom-Konkurrenten wie zum Beispiel Arcor oder Freenet bieten auch DSL an. Allerdings ist es auch bei diesen Unternehmen schwierig, gesicherte Informationen über den Versorgungsgrad zu bekommen. Auf Anfrage sagt die Freenet-Pressestelle in Hamburg lediglich, man sollte eine Abfrage im Internet starten. Guter Service sieht anders aus.

Fernsehkabel

Die Betreiber von Netzen für das Kabelfernsehen bieten ebenfalls Internetzugang an. In Freital ist das die EWT Multimedia GmbH aus Augsburg. Die maximale Geschwindigkeit liegt bei vier Megabit pro Sekunde, und liegt damit etwas unter den besseren Telekom-Angeboten. Für den normalen Nutzer dürfte aber dieses Tempo vollkommen ausreichend sein.

Allerdings ist nicht ganz Freital an das EWT-Netz angeschlossen, viele schauen ja über Satellit oder Gemeinschaftsantenne fem - siehe zum Beispiel Deuben-Süd. Das größte Manko ist aber dabei noch gar nicht genannt: Laut Petzold gibt es im EWT-Netz ähnlich wie beim Satellit keinen Rückkanal. Die zusätzlich notwendige Telefonleitung für die Übertragung vom eigenen Computer ins Internet macht das Ganze umständlich.

Von EWT gibt es dazu keinen Kommentar. Die SZ hat es tagelang versucht, die Firma zu kontaktieren. Ohne Erfolg. Petzold wünscht sich, dass in Freital das Konkurrenzunternehmen Kabel Deutschland zum Zuge kommt. Dazu sollte der Oberbürgermeister sein Gewicht in die Waagschale werfen, sagt er.

Ein Wechsel des Betreibers wäre aber nicht unbedingt notwendig. Schließlich hat EWT auch ein sehr modernes Netz. Allerdings müssten noch die Verstärker rückkanalfähig gemacht werden. Und da läppert sich schon was an Investitionskosten zusammen.

UMTS

In den letzten Jahren sind die großen Mobilfunkbetreiber mit dem Ausbau des sogenannten UMTS-Netzes ein gutes Stück vorangekommen. Obwohl UMTS vor allem für mobile Geräte wie Handys gedacht ist, kann man freilich auch zu Hause surfen. Um die Kosten zu drücken, haben die Provider besondere Angebote entwickelt. Bei Vodafone zum Beispiel heißt es "Zuhause web", O2 nennt es "Surf@home". Die Preise sind miteinander vergleichbar.

"Wir haben unser Netz erweitert und die Geschwindigkeit erhöht", sagt Peggy Hoy von der Vodafone-Pressestelle. Für viele Teile Freitals (insbesondere entlang der Dresdner Straße) bietet Vodafone sogar UMTS Broadband an. Mit 1,8 Megabit pro Sekunde ist das DSL-Niveau. In Gebieten ohne UMTS-Broadband ist die Übertraung bedeutend langsamer. Unversorgte Inseln gibt es bei Vodafone kaum noch. Auch E-Plus hat Freital mittlerweile komplett erschlossen. Die O2-PressestelIe kann weder zum Versorgungsgrad noch zu Geschwindigkeiten etwas sagen. Der Kunde möge doch bitte im nächsten O2-Shop nachfragen.

Bürgernetz Dresden

Der Verein Bürgernetz Dresden ist kein kommerzieller Provider, betont der Vorsitzende Eberhard Mittag. Die Mitstreiter haben sich Bildung und das Experimentieren mit neuen Techniken auf die Fahnen geschrieben. In Freital betreibt das Bürgernetz 30 sogenannte Basisstationen (Access Points). Befindet sich so eine Antenne in Sichtweite, können Mitglieder mit Hilfe von WLAN ins Internet gehen. Nach eigenen Angaben deckt das Bürgernetz 30 bis 40 Prozent des Stadtgebietes ab. Antennen stehen unter anderem in Potschappel, Burgk, Birkigt, Weißig und Hainsberg. Die Übertragungsrate beträgt bis zu 1,8 Megabit pro Sekunde.

"Wir werden unser Netz in Freital weiter ausbauen'', sagt Mittag. Allerdings nur dort, wo es genügend Mitstreiter gibt. Bislang profitieren rund 200 Vereinsmitglieder von diesem speziellen Netz. Ein Nachteil von WLAN ist allerdings, dass sich mehrere Nutzer eine Funkzelle teilen,. Das kann zu Geschwindigkeitseinbußen führen. Mittag: "Das passiert aber nur ganz selten, wenn etwa mehrere Leute zur gleichen Zeit größere Dateien herunterladen."

Was ein Internetzugang kostet - einige Preisbeispiele

  • DSL von der Telekom: Das Produkt T-DSL 2000 kostet 19,99 Euro im Monat, hinzu kommen 9,95 Euro für unbegrenztes Surfen (Flatrate). Voraussetzung ist allerdings ein Telefonanschluss von der Telekom. Wo T-DSL nicht möglich ist, wird DSL über Satellit angeboten. Das kostet 19,90 Euro monatlich extra. Für die Übertragung von Daten vom eigenen Computer ins Internet braucht man eine Telefonleitung (Rückkanal); www.t-com.de
  • DSL von Freenet: Das Produkt DSL Basic Speed 2000 kostet 16,99 Euro monatlich, inklusive Flat. Ein Telefonanschluss von der Telekom ist ebenfalls nötig; www.freenet de
  • Fernsehkabel von EWT: Für das Produkt ewt-net 2000 wird ein monatliches Grundentgelt von 17,99 Euro verlangt. Unbegrenztes Surfen kostet 4,99 Euro zusätzlich Für die Übertragung von Daten vom eigenen Computer ins Internet braucht man eine Telefonleitung (Rückkanal); www.ewt.de
  • UMTS von Vodafone: Im Tarif "Zuhause web" zahlen die Kunden 29,95 Euro monatlich inklusive sind 60 Online-Stunden bzw. 5000 MB. Darüber hinaus werden 0,25 Euro je 10 Minuten bzw. MB fällig. Bis Ende Januar 2007 ist Broadband; www.vodafone.de
  • UMTS von O2: Im Tarif "Surf@home" monatliche Grundgebühr 9,99 Euro, zusätzlich Time 40 (40 Stunden) bzw. Volume 2000 (2000 MB) für einen monatlichen Pack-Preis von 22 Euro; www.o2online.de
  • UMTS von E-Plus: E-Plus Online Flat für 49,95 Euro monatlich (gilt auch unterwegs) oder E-Plus Online Flat 150 für 39,95 Euro mit 150 MB inklusive, darüber hinaus sind 3,25 Cent je 100 KB zu berappen; www.eplus.de
  • Bürgernetz Dresden: Bei dem Verein handelt es sich nicht um einen kommerziellen Provider. Für die Mitglieder stehen Bildung und die Erprobung neuer Techniken im Vordergrund. Die Aufnahmegebühr beträgt 90 Euro (45 Euro ermäßigt), der monatliche Mitgliedsbeitrag beläuft sich auf 10 Euro. Mitglieder können das (Freitaler) WLAN-Netz des Vereins nutzen; www.fbn-ftl.de
  • Alle Angaben ohne Gewähr.