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Auf Umwegen zur Datenautobahn

Von Domokos Szabó in Sächsische Zeitung, Ausgabe Freital vom 13.12.2007

Schnelles Internet über Kabel bleibt für viele Freitaler ein Traum. Aber es gibt immerhin einige Alternativen.

Kein Anschluss unter dieser Nummer – der schnelle DSL-Zugang zur Datenautobahn bleibt schätzungsweise jedem zweiten Freitaler versperrt. Und die Deutsche Telekom AG beeilt sich nicht sonderlich, ihr Netz zu erweitern. Nach den Worten von Firmensprecherin Diana Saupe werden zurzeit zwei mit der Stadt abgestimmte größere Projekte geprüft. Um welche Wohngebiete es dabei geht, will sie aber nicht sagen. Sie verweist lediglich darauf, dass die Telekom in Freital weiterhin investiert. Allein in diesem Jahr seien 3000 neue Anschlüsse entstanden. Erweiterungen seien dort möglich, wo dies wirtschaftlich ist, schränkt Saupe ein.

Auf der anderen Seite fühlt sich das Rathaus unter Druck gesetzt. So habe die Telekom der Stadt nahegelegt, sich an den Ausbaukosten zu beteiligen, sagt Baubürgermeister Ulrich Kretzschmar (CDU). Doch dafür sieht die Rathaus-Spitze keine Handhabe. „Wir können nicht die Investitionen eines privaten Unternehmens finanzieren“, so der Ressortchef.

Karte mit weißen Flecken

Was den DSL-Ausbaustand angeht, wird dieser seit jeher wie ein Staatsgeheimnis von der Telekom gehütet. Nun liegt der SZ eine interne Netzabdeckungskarte vor. Danach gibt es größere zusammenhängende Flächen mit DSL-Versorgung nur in Deuben, Zauckerode, Wurgwitz, Pesterwitz und auf dem Raschelberg. Potschappel bleibt nördlich der Wilsdruffer Straße ebenso ausgeklammert wie Hainsberg (ab Bahnhof Hainsberg). Insellösungen existieren für die Gegend um die Schachtstraße sowie Rabenauer Straße und die Wohngebiete am Eichberg, Taubenleite, Weinberg-Siedlung, Noacksberg, neue Heimat. Außerdem ist der Weißeritzpark und ein Teil von Somsdorf mehr schlecht als recht versorgt. Damit haben auch die Großvermieter ein Problem – denn die Mietinteressenten fragen mittlerweile nicht nur nach einem Balkon, sondern auch nach einem guten Internetanschluss. Sonja Schmidt, Chefin der Freitaler Wohnungsgenossenschaft Gewo, erwartet ein größeres Engagement von der Telekom. „Ich sehe ein Stück Verantwortung bei der Telekom. Sie will ja ein Großanbieter sein. Es kann nicht sein, dass sie sich nur die Tortenstücke aussucht“, sagt sie. Erbost ist auch Viktor Faust, Vorstand der Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft Freital (GWG). „Man muss langsam mehr für den ISDN-Anschluss bezahlen als bei manchen DSL-Anbietern fürs Telefonieren und Surfen zusammen.“

Kabelbetreiber will verhandeln

Anders als das langsame ISDN könnte das Kabelnetz für das Fernsehen eine echte DSL-Alternative sein. Allerdings ist der Netzbetreiber EWT, der neuerdings zur Telecolumbus-Gruppe gehört, reserviert. „Technisch wäre das sicher möglich, wenn alle Rahmenbedingungen vor Ort erfüllt sind“, sagt Telecolumbus-Sprecherin Susann Elste. Welche Bedingungen das sind, will sie aber nicht verraten. Nur so viel: 2008 seien Gespräche mit der Stadt geplant. Nach SZ-Recherchen liegt das Problem in Zauckerode und Deuben-Süd. Diese Gebiete werden nicht nur von der Telekom, sondern auch von vereinsmäßig organisierten Groß-Antennengemeinschaften abgedeckt. Da sie nicht profitorientiert sind, können sie den Mitgliedern besonders günstige Preise gewähren. Damit scheint Freital für EWT nicht lukrativ genug zu sein.

Wer nicht im DSL-Gebiet wohnt, muss sich also mit lahmen Analog- oder ISDN-Modems zufriedengeben – oder auf eine der Ersatzlösungen zurückgreifen (siehe Kasten). Sie heißen WLAN, UMTS oder Satellit und werden vom Verein Bürgernetz Dresden, Sektion Freital, der Freitaler Firma Kadsoft und den bekannten Mobilfunkbetreibern angeboten. Vorausgesetzt, der Interessent wohnt nicht außerhalb des Netzes – oder der Ausbau ist wie bei WLAN mit relativ einfachen Mitteln zu bewerkstelligen.

Ein Netz, viele Wege – wie Freitaler schnell ins Internet kommen

Telekom-DSL: Call & Surf Comfort heißt das aktuelle Angebot der Deutschen Telekom. Es beinhaltet einen 6000-Kilobit-Internetanschluss mit Flatrate und eine Telefon-Flatrate für das Telekom-Festnetz. Kostenpunkt: 39,95 Euro pro Monat. Allerdings liegt DSL in vielen Freitaler Häusern nicht an. Auch Arcor, Freenet und andere haben DSL-Angebote, sie nutzen aber in der Regel das Telekom-Netz.
www.telekom.com

Bürgernetz (WLAN): Der Verein Bürgernetz Dresden, Sektion Freital, ist kein kommerzieller Provider. Die Mitstreiter haben sich Bildung und das Experimentieren mit neuen Techniken auf die Fahnen geschrieben. Die Organisation betreibt rund 30 Basisstationen (Accesspoints) in Freital. Über Funk (WLAN) können die Mitglieder die Verbindung herstellen und so ins Internet gehen. Dazu braucht man allerdings Sichtkontakt zur nächsten Basisstation. Laut Vereinschef Eberhard Mittag soll das Netz weiter ausgebaut werden. Der Mitgliedsbeitrag beträgt zehn Euro pro Monat. Die Übertragungsrate liegt bei 1800 Kilobit pro Sekunde.
www.fbn-ftl.de

Kadsoft (WLAN): Seit anderthalb Jahren baut das Freitaler Unternehmen unter dem Namen „Web over air“ ein WLAN-Netz in Freital aus. Das von der Telekom nicht versorgte Potschappel sei „nahezu komplett“ abgedeckt, sagt Mitgesellschafter Winfried Droll. Auch in Burgk und Birkigt gebe es Basisstationen. 2008 startet der Ausbau in Hainsberg. Privatkunden zahlen einen monatlichen Preis von 19,90 Euro. Dafür sind 10 Gigabyte Datenvolumen inklusive.
www.weboverair.de

Antennengemeinschaften (Fernsehkabel): Über ihren Kabelanschluss können die Zauckeroder und die Süd-Deubener ins Internet gehen. Beim Verein Groß-Gemeinschaftsantenne Zauckerode gibt es verschiedene Volumentarife ab acht Euro pro Monat (500 Gigabyte). Eine Flatrate kostet 25 Euro. Die Geschwindigkeit liegt bei 2048 Kilobit je Sekunde.
www.zackenet.de

In Deuben-Süd ist die gleichnamige Großgemeinschaftsanlage aktiv. Sie bietet Flatrates à 9,99 Euro, 12,45 Euro und 14,45 Euro an (Geschwindigkeiten von 128 bis 1024 Kbit/sec).
www.gga-ftl.de

Mobilfunkfirmen (UMTS): T-Mobile, Vodafone, O2 und E-Plus haben die mobile Internettechnologie UMTS im Programm – mit speziellen Tarifen für Zuhause. Vodafone-Zuhause web zum Beispiel kostet 37,09 Euro pro Monat (5 Gigabyte inkl.) bei E-Plus sind 25 Euro für eine Flatrate zu berappen. Die Übertragungsgeschwindigkeiten liegen deutlich unter denen von DSL. Auch haben die Netze einige Lücken in Freital.
www.t-mobile.de, www.vodafone.de, www.o2online.de, www.e-plus.de

Antennentechnik Schonke (Satellit): Wo nichts anderes geht, geht Internet über Satellit immer noch – angeboten z.B. von der Freitaler Firma Antennentechnik Schonke. Die Flatrates kosten 29,95 bzw. 39,90 Euro (512 bzw. 1024 Kilobit pro Sekunde). Allerdings liegen die Einrichtungskosten mit 400 Euro deutlich höher als bei anderen Angeboten. Immerhin können sich mehrere Interessenten zusammenschließen.
0351/6494030.

Quelle: Firmen