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Auch Ältere trauen sich ins Netz

Von Birgt Andert in Sächsische Zeitung vom 07.07.2007

Das Internet ist keine alleinige Domäne der Jugend mehr. Immer mehr Anbieter machen Senioren fit fürs Surfen im World Wide Web.

Die Oma, die ihr Kissen aufs Fensterbrett legte, um dem Treiben auf der Straße zu folgen, ist von gestern. Sind Senioren heute nicht mehr ganz fit, haben sie einen anderen Weg, trotzdem am prallen Leben teilzuhaben: Das Internet. "Je mehr man körperlich hinfällig wird, desto wichtiger ist es, über das Internet mit der Welt in Kontakt zu bleiben", findet zum Beispiel Dieter Stein aus Friedewald. Der pensionierte EDV-Dozent leitet seit April einen Seniorencomputerclub an der Mittelschule in Boxdorf - und hat für diesen Kurs sogar eine Warteliste.

Wie druckt man ein Foto aus?

50plus-Bildung
Gerd Fehre (stehend) vom Bürgernetz Dresden macht Senioren im Radebeuler Vereinszentrum mit dem Internet vertraut.

"Ich habe mit diesem Club ein anderes Ziel als die üblichen Computerkurse", betont Stein. "Ich möchte Senioren in einer lockeren Atmosphäre die Sachen beibringen, die für sie wichtig sind." Wie gestaltet man eine Einladung zur Grillparty, wie druckt man ein Foto aus, das die Kinder vom Enkel geschickt haben, wie findet man eine Information im Wust des World Wide Web - es sind Fragen wie diese, die Senioren heute bewegen.

"Anders als der junge und durchtrainierte Dozent an der Volkshochschule gehe ich in der eigenen Geschwindigkeit der Senioren vor", so Stein, der selbst 65 Jahre alt wird. Seine Erfahrung: "Entweder Senioren sind begeistert vom Computer, oder sie lehnen ihn ab. Das liegt jedoch nur daran, dass ihnen keiner je richtig erklärt hat, wie es funktioniert." Es sei gut, dass er als Dozent auch mal was vergisst, sagt er. "Damit bin ich auf der gleichen Ebene wie meine Clubmitglieder."

Andere Form der Vermittlung

Dass ältere Menschen als Internetnutzer andere Formen der Vermittlung brauchen, hat nicht nur Dieter Stein festgestellt. Immer mehr Anbieter in der Region setzen mit speziellen Kursen auf Senioren. So wird jetzt zum Beispiel der Förderverein Bürgernetz Dresden zum Bildungsanbieter für die Generation 50plus. Nach einem ersten Treffen im Radebeuler Vereinszentrum soll es ab September einen Kurs für Senioren geben. "Im Mittelpunkt steht dabei vor allem praktische Anleitung", erklärt Gerd Fehre, im Verein zuständig für Bildung. Ziel sei es, aus dem anfänglichen Kurs mit der Zeit einen lockeren Treff entstehen zu lassen, in dem sich die Senioren gegenseitig helfen.

Ein Internetcafé für Senioren bietet seit Anfang des Jahres auch das Coswiger Jugendhaus "Exil". Allerdings hat der Sozialpädagoge Tim Raschner derzeit das starke Gefühl, dass bei seinen Senioren doch auch andere Dinge noch zählen. "Die Resonanz ist im Moment eher nach unten gegangen", sagt er, "der Garten ruft." Eine Fortsetzung des Kurses ist aber auf jeden Fall nach den Sommerferien geplant.

Ältere Menschen erobern sich das Internet

  • Senioren stellen inzwischen die stärkste Altersgruppe der Internetnutzer Eine Sonderauswertung der Arbeitsgemeinschaft Onlineforschung aus dem Jahr 2006 zeigte: Ein Viertel aller Surfer sind "Silver Surfer", das heißt Menschen über 50 Jahre.
  • Laut einer Studie von ARD und ZDF sind bei den 50- bis 59-Jährigen bereits 60 Prozent im Internet aktiv.
  • Bei den Deutschen ab 60 Jahren sind es nur noch gut 20 Prozent.
  • Im Mittelpunkt der Seniorenseiten im Internet steht besonders die Suche nach einem geeigneten Partner und nach Freunden für gemeinsame Unternehmungen.
  • In der Region macht sich derzeit der Förderverein Bürgemetz Dresden e.V. stark für Internetangebote für Senioren. Der Verein zählt derzeit insgesamt 1481 Mitglieder, 13 Prozent davon sind über 50 Jahre alt.
  • Ab September ist ein regelmäßiger Treff im Vereinszentrum auf der Kötitzer Straße 6 geplant. Informationen und Anmeldung per E-Mail unter bildung@fbn-dd.de oder Telefon 0163/1579465.
  • Ab Herbst wird außerdem im "Exil" Coswig ein Internetcate für Senioren fortgesetzt. Infos unter Telefon 03523/72826.